Yeah! 1.000km geschafft! Was wir nach 1.000km EuroVelo10 gelernt haben

21. Mai 2017

Am 19. Tag unserer Tour haben wir die 1.000km gerissen und so langsam hat sich der Tagesablauf eingespielt:

Aufstehen, Frühstücken, Abbauen & Packen; Fahren, Pause, Fahren, Pause (…), Ankommen, Duschen, Kochen, Schlafen (GOTO Start).
Damit sich die Beiträge hier nicht irgendwann so monoton und wetter-depressiv anfühlen wie die Alben von Jack Johnson, wollen wir den Meilenstein zum Anlass nehmen und schauen was sich seit Beginn unserer Tour geändert hat und wo es überall weh tut.

Was hat sich verändert? Was haben wir gelernt?

Muskulatur

Natürlich wird es niemanden wundern wenn ich Euch mitteile dass unsere Beinmuskulatur stärker geworden ist. Wir waren vorher nicht total unsportlich aber so eine Dauerbelastung merkt man deutlich an den Muskelkonturen. Glücklicherweise gelingen uns dadurch jetzt auch längere (>80km) bzw. bergigere (>850hm) Etappen. Nina hetzt mich bei den Aufstiegen richtiggehend – vielleicht wird es Zeit dass ich nachts heimlich den Lowrider an ihr Rad schraube und sie somit in den Genuss kommt das gemeinsame Zeug zu schleppen – that would be Gleichberechtigung at its best!

Hunger

Das tägliche Radeln scheint unseren Körper in eine Art Überlebensmodus zu versetzen. Auf jeden Fall haben wir fast doppelt so viel Hunger wie zuhause. Abends äußert sich dies in einem Wettstreit, wer denn von der 400g Packung Nudeln mit üppiger Soße wohl schneller und somit mehr essen kann. Auch bei den Mittagspausen sind wir nicht kleinlich und essen drei Brote, eine Banane, einen Apfel, mehrere Kekse sowie eine halbe Tafel Schokolade – pro Person.

Sonstige körperliche Auswirkungen

Allen voran natürlich Muskelkater in den Oberschenkeln (von Experten [Nina] Bergauf-Muskel genannt), Waden und Schultern. Dazu etwas Sonnenbrand und Abdrücke vom Sattel (Tim).

Gleichgültigkeit gegenüber dem Wetter

Wir hatten in den ersten Wochen ja so ziemlich alles an Wetter gehabt, was man als Radfahrer nicht haben möchte. Mein Ziel war es dabei immer die ersten zehn Kilometer zu überstehen ohne darüber nachzudenken. Danach war ich dann in der Routine und es fühlte sich halb so schlimm an. Und letztlich habe ich keinen Tag auf dem Rad bereut – auch wenn er morgens noch so blöd aussah.

Zielfokussierung

Anfänglich hatte ich immer den Wunsch möglichst früh im Sattel zu sitzen und ein festgelegtes, weit entferntes Ziel zu erreichen. Wer den Beitrag zu Etappe 2 gelesen hat, wird sich vielleicht erinnern wie uns Wind & Wetter frühzeitig einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Mittlerweile sehe ich das gelassener: auch wenn wir keine Etappen in Ultramarathonlänge fahren, freue ich mich wenn wir ankommen und vielleicht noch etwas Zeit für andere Dinge haben.

Google Maps ist noch nie selbst Fahrrad gefahren

Aus unserem „normalen Leben“ sind wir den schnellen Blick auf’s Smartphone zur Abschätzung von Distanzen gewöhnt. Dies bringt bei einer Radtour leider so gut wie nix, da Google einem auch bei der Fahrradfunktion den kürzesten, juristisch erlaubten Weg vorschlägt. Hier in Schweden wird dann häufig die E22 herangezogen – eine dreispurige Schnellstraße ohne Seitenstreifen, die sich zum Fahrradfahren ungefähr so gut eignet wie die B236 von Dortmund bis Schmallenberg.

Freundlicher Empfang der Einheimischen

Fast jeden Tag grüßen uns wildfremde Leute aus dem Auto oder auf dem Bürgersteig und heißen uns Willkommen. Diese offene, herzliche Art bereitet uns viel Freude.

Was ist gleich geblieben?

Auch auf die Gefahr hin dass es schnulzig klingt, kommen wir mit dem Wechsel aus körperlicher Anstrengung und wunderschönen Erlebnissen echt gut klar. Kurz gesagt: wir genießen die Zeit, nehmen beispielsweise am Berg Rücksicht aufeinander (Nina auf mich, s.o.) und wollen weiter dafür sorgen diesen Urlaub für uns beide so schön wie möglich zu gestalten.

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