19. Etappe EuroVelo10: Nica via Klaipeda nach Nida

17. Juni 2017

41. Tag: Sonnenschein und 81km

Trotz des überschaubaren Frühstücks ging es gut gelaunt auf’s Rad und die verbleibenden 30km bis zur Grenze abstrampeln. Die Straße war gut asphaltiert aber leider auch recht stark befahren. Uns überholten vor allem Motorradfahrer und die altbekannte Bremsenplage machte sich wieder bemerkbar. Insektenprofis wie uns kann das natürlich nichts anhaben. Der Grenzübergang war unspektakulär: nach einem Kreisverkehr wurden wir in Litauen begrüßt und es ging wie gewohnt weiter. Wobei… Ein Unterschied ist Nina aufgefallen: ab der Grenze waren wir unsere Bremsenfreunde los und reisten fortan ohne Entourage.

Ein Rennradfahrer holte mich kurz hinter der Grenze ein – was mir anhand meines Tempos natürlich total unerklärlich war. Wir quatschten kurz über den Trip und ich fragte ihn über den eingezeichneten Radweg aus. Und da selbst er diesen mit seinen schmalen Reifen nehmen wollte, wird er für uns wohl auch gut genug sein. An der nächsten Abzweigung verabschiedete sich der Rennradler und wir trafen auf einen Fahrradreisenden aus Schweden, den wir am Vortag schon mal im Stadtbild gesehen hatten. Die gemeinsame Mittagspause kam mir sehr kurz vor weil wir uns gegenseitig über die bisherigen Reiseerlebnisse und den geschichtlichen Hintergrund austauschten.

Nach einer kurzen Sand-Schiebepassage, da der Radweg hier erneuert wird, kamen wir zunächst in ein Dorf mit Motorradtreffen. Dies erklärte dann auch die vielen Überholmanöver. Ab dem Dorf begann dann ein traumhaft asphaltierter Radweg, der uns auf der kompletten Strecke durch Litauen bis kurz vor der russischen Grenze begleiten wird. Dies war nach Lettland (Was ist bitte ein Radweg?!) so eine tolle Überraschung. Vielleicht lag es am Wochenende und dem guten Wetter aber der Radweg wurde intensiv genutzt.

Nach einem Eis hatten wir genug Energie für den restlichen Weg nach Klaipeda. Dort haben wir uns etwas außerhalb des Stadtzentrums in einem Appartment einquartiert.

Gesamtanstieg: 286 m

42. Tag: Klaipeda bis Nida (to be continued), ca. 69km

Uns fiel abends noch zufällig auf, dass wir direkt nach der russischen Grenze Eintritt für den Nationalpark der kurischen Nehrung bezahlen sollten – und dies natürlich in Rubel! Wir vertrauen ja auf ein enges Netz an Geldautomaten um uns via Kreditkarte mit Auslandswährungen zu versorgen aber direkt an der Passkontrolle gibt es sicher nicht so ein Ding. Also musste eine Geldwechselstube her. An einem Sonntag!

Nun, in Deutschland mag dies ein Problem sein, glücklicherweise aber nicht in Litauen. Das hiesige Shoppingcenter hat an jedem Tag auf und dort bekamen wir unsere Rubel. Danach ging es mit einer kleinen Fähre und vielen Tagestouristen über die Dange hin zur kurischen Nehrung. Der Wikipedia-Artikel dazu ist ziemlich lang – für Laien wie mich reicht wohl der Hinweis dass es sich dabei um eine total lange Halbinsel mit Sanddünen handelt, die im Norden zu Litauen und im Süden zu Kaliningrad (=Russland) gehört. Als uns die Fähre dort ausspuckte, konnten wir mal wieder das kleine Kettenblatt nutzen um die Düne zu bezwingen und dann ging es auf schön asphaltierten Radwegen gen Süden.

An einer schönen, einsamen Düne trafen wir auf einen Italiener, der in London lebt und für eine litauische Firma arbeitet. Wir quatschten kurz über unsere Reise und er berichtete, dass er sich auch mal eine sechsmonatige Auszeit zum Reisen gegönnt hat und er so etwas mal wieder machen sollte. Es gibt da draußen also mindestens noch so einen Verrückten wie mich.

Irgendwann waren wir in Nida, dem letzten Ort vor der russischen Grenze. Hier war man sehr auf Touristen, vor allem deutsche Touristen, eingestellt. Dies äußerte sich durch deutsche Speisekarten, deutschsprachige Kellner und dann vor allem ältere deutsche Touristen, die ein bisschen nach Heimatsehnsucht aussahen. Dies empfanden wir nach den Wochen der Anonymität als Radreisende schon sehr unangenehm. Aber für einen Cappucchino und einen Apfelkuchen mit Vanilleeis samt Götterspeise (?!??!) ließ sich das aushalten.

Dann ging es noch weiter über die russische Grenze – dies ist aber dann eine eigene Geschichte für den nächsten Beitrag.

Gesamtanstieg: 477 m

3 comments

  1. Comment by Tante Örmgard

    Tante Örmgard Reply 17. Juni 2017 at 11:27

    Mannomann, was für eine traumhafte Landschaft diese kurische Nehrung….
    Das möchte ich doch mal life erleben. Vielleicht bin ich dann mal so ein oldie, wie ihr sie gebündelt erlebt habt.
    Liebe Nina, deine Einschätzung zu eurem Urlaub(sende) gefällt mir sehr gut. Auch ich denke: so sollte es sein.
    Und noch eine Anmerkung zu den Viechtern, die euch belästigen: da gab es mal in GB ähnliche Erlebnisse. Dem Überfall der riesigen Insekten auf einem Campingplatz auf unseren gelben Bulli wurde damals mit Insektenspray begegnet…. sinnlos und ein nogo.
    Genießt die nächsten und letzten km und seid lieb geggrüßt

    • Comment by tim

      tim Reply 18. Juni 2017 at 09:06

      Waaaaas? Du hast Insektenspray eingesetzt? Hoffentlich bekommt Sissi das nicht mit 😉.
      Und ja, die Landschaft war echt traumhaft und sehr abwechslungsreich mit Laubbäumen, Sträuchern, Moosen etc. Sicherlich einen Ausflug wert. Viele Grüße

  2. Comment by Thelma und Louise

    Thelma und Louise Reply 28. Juni 2017 at 19:15

    :D:D:D… Ich kriege alles mit – früher oder später 😉

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