1. Etappe EuroVelo10: Anreise & Willkommen Ostsee

3. Mai 2017

Die Fakten: 40km, Sonnenschein, Beziehungsstatus: verheiratet

Ach herrje, der Beginn unseres kleinen Abenteuers hätte besser zu Loriot gepasst als zu unserer Planungsneurose… Aber der Reihe nach: der Morgen verlief zunächst nach unserem Masterplan: Frühstück; Abwasch; letzte Vorbereitungen und dann die Räder beladen. Keine Panik! Denn wir haben ja über 30 Minuten für die 2km bis zum Bahnhof eingerechnet. Als wir die Räder dann beladen wollten, steckte der Teufel im Detail: da die Ortlieb-Taschen an meinem Gepäckträger ‚etwas Spiel‘ hatten und deshalb klapperten, setzte ich dort noch Distanzstücke ein. Dass ich dies nicht zuvor noch mal getestet habe, rächte sich jetzt denn die Taschen lagen auf dem Gepäckträger nur noch auf und umklammerten diesen nicht wie sonst. Keine Panik! Redete ich mir zumindest ein. Die restlichen Taschen passten ohne Probleme. Also Abfahrt. Nach 10 Metern fiel mein Packsack engagiert auf die Straße. Okay, das können wir durch Fixierung der Expandergurtes noch schnell beheben. Dann hatten wir wieder Ruhe. Zumindest bis etwa 500m später die erste Ortliebtasche runterfiel. Dieses Spiel wiederholte sich bis zum Bahnhof noch weitere zwei Mal und sollte Loriot es gesehen haben, hätte er sich sicherlich köstlich amüsiert – zumindest besser als ich zu dem Zeitpunkt.

Nachdem wir unser gesammtes Geraffel dann einmal durch den ganzen Bahnhof hin zum Gleis geschleppt haben (eine Fahrradrinne ist alles was die Bahn derzeit zum Thema Barrierefreiheit anbietet), warteten wir auf den pünktlichen Zug nach Münster. Im Fahrradabteil saß ein wohlgenährter, älterer Herr und auf meine freundliche Frage, ob es ihm etwas ausmachen würde, sich auf die Bank nebenan zu setzen, murmelte er in etwa: „Ihr habt keine Manieren; schiebt Eure Räder doch woanders hin! Dieser Platz ist für Beeinträchtigte“. Ohne diesen charmanten Hinweis hätte ich gedacht dass die Bahn damit ausschließlich auf körperliche Beeinträchtigungen abziehlt.
Nach diesem holprigen Start verlief alles Weitere problemlos und wir kamen gegen frühen Nachmittag in Lübeck an.

Wo geht’s hier zum Meer?

Direkt vor dem Lübecker Bahnhof zeigte uns ein Fahrradschild den Weg und wir fanden einigermaßen direkt den Weg an die Ostsee – begleitet vom schönsten Sonnenschein. Eigentlich hätten wir auch nur der stehenden Auto-Kolonne von Hamburger Fahrzeugen folgen müssen, um direkt an’s Ufer geführt zu werden. Dort angekommen, gefiel es mir auch gleich ganz gut und ich fühlte den Drang in mir etwas zu hinterlassen, woran sich die Nachwelt noch erinnern sollte. In guter Tradition unserer Vorfahren gründete ich eine Siedlung nach meinem Namen und nannte sie Tim-mendorfer Strand.
Anscheinend ist die Gegend für Hamburg das, was der Halterner Stausse für Ruhrgebietstouristen ist. Es folgte also ein wildes Slalom-Fahren, Klingeln und für die Rücksichtnahme-Danken. Das war zuviel für das Material und meine Klingel brach vor Erschöpfung ab. Seither musste Nina uns eine Schneise bahnen bis wir an einem Campingplatz in Neustadt (Holstein) angekommen sind.
Nachdem sich die Sonne abends verabschiedete, kühlte es merklich ab und der Wind nahm zu. Dies verstärkte sich in der Nacht so weit dass Nina fror (Lt. Wetterbericht: 6°C zzgl. 40km/h Wind=gefühlte 3°C). Dennoch blieben wir bis 9h liegen und starteten entsprechend spät in die nächste Etappe.

Gesamtanstieg: 333 m

11 comments

  1. Comment by Darren Berrecloth

    Darren Berrecloth Reply 3. Mai 2017 at 20:00

    Ich kann mir alles bildlich vorstellen 😁
    Dieses Land ist eher wenig auf Fahrrad und Rollstuhl ausgelegt.und damit meine ich weniger die ausbaufähige Infrastruktur als die lustigen Menschen.
    Orthlieb Taschen vorher testen war unnötig, hätte die Spannung raus genommen.

    • Comment by tim

      tim Reply 4. Mai 2017 at 22:15

      Mit etwas Abstand kann ich auch herzlich drüber lachen. Und außerdem hätte ich ohne solche Aktionen hier wenig zu berichten. Also: stay tuned 🙂

  2. Comment by Captain Obvious

    Captain Obvious Reply 3. Mai 2017 at 20:22

    Schön geschrieben, du hast wirklich einen sehr fantasievollen Stil 😀

    • Comment by tim

      tim Reply 4. Mai 2017 at 22:17

      Was heißt hier fantasievoll? Das sind alles wahre Begebenheiten und exakt so passiert 🙂 Schön dass es dir gefällt. Kreativer Spitzname btw

  3. Comment by Kai

    Kai Reply 3. Mai 2017 at 22:19

    Hey bin gerade über einen Herren den ihr auf der Fähre getroffen habt auf euch gestoßen. Ich wünsche euch eine gute Reise und werde nun den Blog abonieren 😀👍👍.

    • Comment by tim

      tim Reply 4. Mai 2017 at 22:19

      Hallo Kai, ich hinke hier im Vergleich zu Andreas etwas hinterher aber schön dass du zu uns gefunden hast. Viel Spaß beim weiteren Lesen

  4. Comment by Sven Enßer

    Sven Enßer Reply 5. Mai 2017 at 19:55

    Hey Tim, sensationell. Alles richtig gemacht. Rockt die Nordsee.
    LG 😍

    • Comment by tim

      tim Reply 5. Mai 2017 at 21:18

      Hey Sven, vielen Dank und schön dass du vorbeischaust. Gerne rocken wir die Nordsee bei der nächsten Tour – dieses Mal ist die Ostsee dran 😉 Viele Grüße aus DK

  5. Comment by Esel

    Esel Reply 5. Mai 2017 at 22:26

    Die Esel haben sich grad gegenseitig auf dem Sofa aus dem Blog vorgelesen. Kick it!

  6. Comment by Alfred

    Alfred Reply 6. Mai 2017 at 09:11

    Hey, da habt ihr ja in den ersten Tagen so richtig viel erlebt 😁
    Da kann das Wetter nur besser werden. Und dann klappt es auch wieder mit dem Zelt
    Weiterhin viel Spaß 🚴‍♀️🚴🏻🌞

    • Comment by nina

      nina Reply 6. Mai 2017 at 10:02

      Danke:) Heute ist das Wetter schon mal top. Und für die kommenden ggf. kälteren Tage kaufe ich mir einen neuen Schlafsack.

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