20. Etappe EuroVelo10: Nida via Rybatschi nach Kaliningrad

23. Juni 2017

42. Tag Fortsetzung:

Sonnenschein und 67km +15km ab russischer Grenze

Grenzkontrollen mit dem Auto/eigenem Gefährt… Wer kennt Sie noch?! Ich nicht… Lediglich Ausweiskontrollen am Flughafen sind mir bekannt. Umso gespannter und aufgeregter war ich auf die Einreise nach Russland und wurde nicht enttäuscht.

Die Ausreise aus Litauen klappte prima, wir passierten zwei Schranken und fuhren motiviert auf die dritte zu. Wo man sich einordnen sollte zeigten Schilder mit dem jeweiligem Fahrzeugtyp. Ein Fahrradsymbol war natürlich nirgendwo zu sehen. Also fuhren wir auf die Schranke zu wo am wenigsten los war. Erst als wir ein Stimmengetöse und aufgeregt winkende Grenzbeamten wahrnahmen merkten wir das etwas nicht stimmt. Mist…, das erste Mal negativ aufgefallen.

Wir reihten uns bei den Autos ein und traten dann vor eine streng dreinblickende Dame. Die Passkontrollen dauerten bei uns beiden sehr lang. Das Foto wurde eingehend studiert. Die Dame schien sich bei mir unsicher zu sein ob ich-ungeschminkt, sommersprossig und mit Stirnband-die aus dem Ausweis bin und zog ihre Kollegin zur Rate die mich dann beide streng ansahen. Missbilligend dreinblickend überreichte mir die Dame dann aber doch noch meine migration card und ich durfte zum Fahrrad- und Taschencheck vorrücken. Nachdem Tim dem Grenzbeamten erklärt hatte dass die Waffen und Drogen eher bei mir zu finden wären, wurde meine Tasche misstrauisch abgetastet.
Da alles gut versteckt war in der Tasche nichts zu finden war, fuhren wir auf die nächsten beiden Schranken zu wo wir erneut unseren Ausweis und die migration card zeigen mussten.

An der letzten und sechsten Schranke zahlten wir unsere Kurtaxe in Rubel (natürlich cash, umgerechnet 5 €) und betraten dann endlich russischen Boden. Halleluja war das ein Akt. Trotz der strengen Kontrollen waren wir froh das mit dem Visum alles geklappt hatte.

Die Straße nach dem Grenzübergang auf russischer Seite hatten wir dann erst einmal mindestens 15 Minuten für uns, da Autofahrer noch strenger und aufwändiger kontrolliert wurden als wir.

Nachdem wir unser Hab und Gut in der Unterkunft abgeladen und geduscht hatten, ging es zum nächsten Restaurant. Dort erhielten wir ein englisches Menu worüber wir sehr dankbar waren, da ansonsten alles in kyrillisch aufgeführt wurde. Der Kellner der leider kein Englisch sprach nahm unsere Bestellung auf und prompt kam es zum ersten Missverständnis und Tim bekam nur Fleisch. Sonst nichts. Wir bestellten also in mehreren Etappen und natürlich durfte der Wodka zum Schluss nicht fehlen 🙂

Welcome to Russia, Tim und Nina:)

Gesamtanstieg: 475 m

43. Tag: Rybatschi bis Kaliningrad, ca. 70km

Калининград. Der Höhepunkt unserer Reise.

Wir waren so gespannt was Калининград und Russland für uns bereithielt. Bei einem Mix aus Regen und Sonne fuhren wir weiter die kurische Nehrung entlang und freuten uns über die rücksichtsvollen Russen, die mit ausreichend Seitenabstand an uns vorbeifuhren. Unterwegs trafen wir drei Männer aus Deutschland die mit dem Rad nach Helsinki fuhren. Wir tauschten Tipps zum Weg aus und erfuhren dass Калининград ziemlich fahrradunfreundlich sein soll.

Kurz vor Калининград kamen wir an einer Stadt vorbei in der Panzer ausgestellt wurden unter denen sich ein paar Russen fotografieren ließen. Worum es in der Ausstellung ging konnten wir nur mutmaßen, denn lesen konnten wir natürlich nix. Alles auf kyrillisch.

In Калининград angekommen versuchten wir uns mit dem GPS-Gerät zu unserem Hotel zu navigieren. Fehlanzeige. Adresseingaben waren nicht möglich. Zum Glück gab es einen Stadtplan. Mist, der war auf kyrillisch. Wir kapierten also wieder nix. Nachdem wir mehrere Personen um Hilfe gebeten hatten, mit unseren Englischkenntnissen aber nicht weit kamen, da niemand Englisch konnte, nahmen wir das Handy zur Hilfe und zahlten 5,70 € pro MB Datenvolumen.

Im Hotel angekommen atmeten wir auf, denn dort sprach man Englisch. Abends ließen wir uns mit dem Taxi zum Restaurant bringen und sahen überall russische Fahnen und viele Menschen auf der Straße. Anlass hierfür war der Russland-Tag und der wurde gefeiert mit Armeeparaden und Salutschüssen. Im Restaurant angekommen klappten wir das englische Menu auf und wähnten uns in Sicherheit. Doch als Tim ein großes Bier bestellte und eine Flasche Wasser erhielt, wurde uns klar, dass wir in Калининград noch viel erleben werden.

Gesamtanstieg: 400 m

44. und 45. Tag: Sightseeing und Relaxen in Kaliningrad

Der Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück und gut gestärkt ging es zu Fuß in die Innenstadt. Naja gut, eine Innenstadt mit Fußgängerzone gab es in Калининград nicht, dafür aber viele Sehenswürdigkeiten, Geschäfte, gut gekleidete und auffallend hübsche Frauen und Verkehr ohne Ende.

Wir sahen von Weitem die Arena in der nächstes Jahr die Fußballweltmeisterschaft stattfinden wird. Die Russen legen sich dafür ordentlich ins Zeug, bauen neue Straßen und sehen zu dass Sie pünktlich fertig werden. Das der restliche Verkehr dafür in der unmittelbaren Umgebung fast brach lag und Fahrradfahrer-sollten sich doch mal welche in Калининград verirren- fast überfahren werden, wird in Kauf genommen.

Gern hätten wir uns die Stadt und Kultur von Einheimischen näher bringen lassen, aber auf unsere Anfragen bei ‚warm showers‘ reagierte leider niemand. Aufgrund der nicht vorhandenen Englischkenntnisse kamen wir unterwegs selten in Kontakt mit den Einheimischen was ich sehr bedauere da wir Калининград dann bestimmt noch von einer anderen Seite kennengelernt hätten.

Wir besichtigten dann also auf eigene Faust ein bekanntes Haus aus Sowjetzeiten, machten einen Abstecher zum Königsberger Dom und freuten uns über einige Informationen in lateinischen Buchstaben. Unsere größte Entdeckung an dem Tag war jedoch der Königsbäcker (der Name stimmt tatsächlich) in dem es köstliche Backwaren ähnlich denen aus Deutschland gab. Ein Highlight wenn man sich bislang 5 Wochen von Weißbrot oder Ähnliches ernährte. Auf dem Rückweg besichtigen wir noch ein Bunkermuseum das wir jedoch schnell durchlaufen hatten, denn auch hier war fast alles auf kyrillisch. Schade.

Das Abendessen im Restaurant ähnelte dem vom Vortag. Tim bekam wieder nur Fleisch ohne Beilagen und meine Spaghetti hatte ich nach 5 Minuten aufgegessen. Was ist denn nur los mit der russischen Gastronomie? Davon hatte ich wirklich mehr erwartet. Oder isst man in Russland einfach anders?!

Am nächsten Tag flüchteten wir in ein SPA und dort gab es keine Kommunikationsprobleme, sondern wir konnten einfach nur entspannen. Eine Wohltat für Beine und Rücken. Einen kurzen Schocker erlitten wir kurz vor der Massage allerdings doch noch, als der Taxifahrer mit Tims Handy im Spa auftauchte. Tim hatte sein Handy im Taxi vergessen und wir waren heilfroh dass der Taxifahrer so ehrlich war und extra nochmal zurückgefahren ist um Tim das Handy zurückzubringen.

Den letzten Abend verbrachten wir in einem Restaurant in dem wir total freundlich begrüßt und auch bedient wurden. Der Kellner sprach Englisch und so trauten wir uns auch an alkoholische Getränke heran die uns anstatt in Pinnchen in Wassergläsern serviert wurden, um den Abschied aus Калининград gebührend zu zelebrieren.

4 comments

  1. Comment by Nils

    Nils Reply 23. Juni 2017 at 22:46

    Bis zum Stirnband dachte ich Tim schreibt.

    Von einem Panzer begrüßt zu werden ist doch auch mal was 😅

    • Comment by nina

      nina Reply 24. Juni 2017 at 07:55

      Hallo Nils,

      danke für das Kompliment 🙂
      Ja war schon etwas gruselig so viele Panzer auf einmal zu sehen.

  2. Comment by Eugen

    Eugen Reply 23. Juni 2017 at 23:33

    Nina, hättest du was gesagt wegen essen bestellen!
    Da gibt es pelmeni – Fleisch in Teigtaschen im Wasser gekocht
    Manty – Fleisch in Teigtaschen auf Wasserdampf zubereitet
    Chebureki – Fleisch in Teigtaschen im Öl gebraten
    Piroschki – Fleisch in Teigtaschen gebacken (hier kann man das Fleisch auch durch Kartoffeln, Eier, Äpfel oder Marmelade ersetzen)
    Wenn ihr Fleisch ohne Teigtaschen mögt, dann hättet ihr auch Schaschlik oder Gulasch sagen können, die Wörter klingen gleich.. Sowie auch Salat.
    Wenn es draußen warm ist, gibt es eine extrem leckere kalte Sommersuppe – okroschka.
    Und Fisch natürlich- ryba.
    Naja kommt jetzt wahrscheinlich sowieso zu spät, vielleicht für das nächste mal, wenn ihr die transsibirische Eisenbahn mit euren Rädern begleiten wollt..:))

    • Comment by nina

      nina Reply 24. Juni 2017 at 07:53

      Hallo Eugen,
      danke für die Tipps, wer weiß was für Urlaube uns noch einfallen 🙂

      Unser Problem war immer dass die Kellner nicht verstanden haben das wir zusätzlich zum Fleisch-Hauptgericht (keine Teigtaschen), das tatsächlich nur aus Fleisch mit Soße bestand noch side dishes also Pommes oder Kartoffeln haben wollten. Das haben die nie direkt mitgebracht, das mussten wir nach dem Erhalt des Fleisches nochmal bestellen oO

      Aber wir haben Borschtsch gegessen wie man auf dem Foto sieht. War sehr sehr lecker u die Bestellung hat sofort geklappt 🙂

      Aber die Portionen sind klein gewesen in Kaliningrad. Ich dachte bei den Russen gibt’s nur ordentliche Portionen :))

      Bis bald schon,
      Nina

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