5. Etappe EuroVelo10: Malmö via Skivarp nach Ystad

12. Mai 2017

Tag 9: Das kann nicht funktionieren

63km; Regen – bedeckt

Die Nacht war zwar kalt aber gefroren hat niemand – dank neuem Schlafsack. Dafür hat es nachts ganz ordentlich und morgens etwas geregnet. Und nix hat ein neues Zelt lieber als nass eingepackt zu werden – ich konnte die leisen Schreie förmlich hören. Um 9h öffnete die Rezeption und unsere Brötchen waren abholbereit. Frühstücken wollten wir windgeschützt und warm im Servicegebäude mitsamt Küche. Obwohl ich aufgrund des Berufs meiner Mutter schon frühzeitig in Großküchen spielte und daher mit Elektrogroßgeräten aufgewachsen bin, konnten wir den Herd nicht zum Laufen bekommen. Auch der Techniker versagte erst (typisch Mann), vermutete dann dass unser Topf nicht induktionsgeeignet wäre (netter Versuch). Später stellte sich heraus dass man aus Sicherheitsgründen eine Art Eieruhr anstellen muss, die dann für den entsprechenden Zeitraum die Herdplatten aktiviert. Dieser Mechanismus ist hier wohl üblich und begegnet uns seither ständig.
Zusätzlich ist noch erwähnenswert dass Schweden in Sachen Geschlechtergleichbehandlung eine Vorreiterrolle einnimmt. Dies hat auf dem Campingplatz zur Folge dass sich Männer und Frauen den Waschbereich teilen (mit Einzeltoiletten und Einzelduschen versteht sich).

Nachdem wir um 10:30h endlich loskamen, mussten wir noch in die Stadtmitte zurückfahren um ein Paket mit Schlafsack und sonstigem unnötigen Ballast gen Heimat zu schicken. Details würden hier jegliche Aufmerksamkeitsspanne überfordern, daher in aller Kürze: in Sachen Kosten und Zeitbedarf hätte ein Flugticket locker mithalten können.

Gegen 13h fuhren wir also endlich los und schon dann war klar, dass die eigentliche Etappe von 75km bis Ystad nicht klappen wird. Aber anstatt jetzt noch Zeit mit Alternativplänen zu verschwenden, traten wir lieber erst mal in die Pedale – nicht zuletzt um die Laune aufzuheitern. Der Weg führte an mindestens fünf gutbesuchten Golfplätzen vorbei bis wir auf dem Land ankamen. Die Wege wurden zunehmend schlechter und sahen irgendwann so aus als hätte jemand eine ‚Airline‘ für Mountainbiker versucht in die Ebene zu bauen. Für meinen Geschmack zu wenig Schwung und vielleicht das falsche Bike…

This should be the airline?!

Auch ohne große Sprünge hatte Ninas Hinterrad wieder einen Platten gemeldet. Nervig war hierbei weniger das Schlauchwechseln sondern eher das andauernde Gekläffe von zwei Hunden in Meerschweinchengröße.
Nach ca. 50km klappte es auch endlich mit meiner schwedischen SIM-Karte und zu unserem Entsetzen bemerkten wir, dass es in den kleineren Städten keine Übernachtungsmöglichkeit geben sollte. Die nächste Möglichkeit war ein kleiner Gasthof noch mal 10km weiter – zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon ca. 18h. Vor Ort stellte sich heraus, dass die Küche des Gasthofes geschlossen war; die empfohlene Pizzeria war ebenfalls dicht und somit blieb ein lieblos zusammengewürfteltes Chili con Carne auf dem Campingkocher. Ich hätte mir nicht vorstellen können in einem Gasthof hungrig ins Bett zu müssen…

Gesamtanstieg: 675 m

Tag 10: Teilzeit-Radfahren

30km, sonnig/bewölkt

Wir hatten gut geschlafen und ausgiebig gefrühstückt – was man bei 130€ wohl auch erwarten kann. Das Wetter war ausnahmsweise mal gut und wir waren schnell an der Küste auf einem richtigen Radweg! Da wir das Zelt noch trocknen mussten und für die Nacht wieder Regen angesagt war, quartierten wir uns in einer Hütte an unserem ursprünglichen Ziel Ystad ein. Die restliche Zeit verbrachten wir mit Wäsche waschen, einkaufen, kochen etc.

Gesamtanstieg: 210 m

 

2 Kommentare

  1. Kommentar von Nils

    Nils Antworten 12. Mai 201713:20

    Ich glaube für 14 Tage Skandinavien kann man sich auch Saint Tropez gönnen 😁

  2. Kommentar von Captain Obvious

    Captain Obvious Antworten 4. Juni 201713:14

    130€ klingt ziemlich hardcore, so ein richtiges Bett wäre mir das aber auch Wert bei eurer Tour 😉

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