25. Etappe EuroVelo10: Swinoujscie via Greifswald nach Pruchten

4. Juli 2017

Der 54. Tag war eigentlich als entspannter Ruhetag in Swinoujscie geplant aber so ruhig wurde es dann doch nicht…

Die letzten Etappen liefen von der Strecke, Wetter und Wegbeschaffenheit überwiegend gut und so waren wir abends auch immer glücklich & zufrieden. Doch mit der deutschen Grenze vor der Nase konnten auch wir das absehbare Ende unserer Reise nicht mehr gänzlich ignorieren. Erschwerend kam hinzu dass der Wetterbericht alles andere als rosig aussah: er prognostizierte Regen und reichlich Wind. So ergab sich folgendes Dilemma:

a) wie geplant weiterfahren und in Pensionen (zum deutschen Preisniveau) übernachten oder

b) eine teure Zugverbindung mit 5x Umsteigen ab deutscher Grenze bis nach Hause nehmen.

Beides schien nicht sonderlich attraktiv zumal die Bahnpreise für die weiteren Ostsee-Städte jetzt auch keine Schnapper waren. Die Aussicht den Urlaub so abrupt zu beenden, sorgte für ganz schön miese Stimmung.

Letztlich wurde uns die Entscheidung gegen Spätnachmittag unerwartet abgenommen: es gab keine Fahrradplätze mehr im IC und somit mussten wir weiterfahren. Passenderweise besserte sich auch die Wettervorhersage und wir waren richtiggehend erleichtert, dass es am nächsten Tag weiterging wie geplant.

55. Tag: Swinoujscie nach Greifswald, 77km

Es ging früh los und fix waren wir an der deutsch-polnischen Grenze. Diese bestand nur aus einer Hinweistafel, mehreren PV-Modulen sowie Grenzsteinen abseits des Weges. Weiter ging es auf schönen Radwegen mit jeder Menge weiterer Radfahrer durch einige schöne Ostsee-Städtchen. Diese machten einen sehr ruhigen, friedlichen Eindruck und waren somit eine willkommene Abwechslung zu den trubeligen, polnischen Costa Brava-Imitaten. Nach Bansin folgte eine längere Strecke durch den Wald mit einigen Steigungen. Nachdem die Berge erklommen waren, forderten Schilder die Radfahrer zum Absteigen auf. Vielleicht wollte man überambitionierte Ebike-Raser vor sich selbst schützen – wir sahen hingegen keinen Grund zum Absteigen und genossen die kurzen, schnellen Abfahrten.

Wenig später fühlten wir uns wieder richtig in Deutschland angekommen: in einem Städtchen endete der Radweg an einer Promenade und sollte nach 100m weitergehen. Hierfür abzusteigen sahen wir bei dem überschaubaren Touristenaufkommen nicht ein und rollten im Gehtempo weiter. Dies wurde mehrfach von Fußgängern und anderen (schiebenden) Radfahrern mit ‚Unverschämtheit‘ kommentiert. Und nach sieben Wochen im Ausland war dies tatsächlich das erste Mal, dass andere Leute sich darüber aufgeregt haben, dass wir uns nicht an eine kleine Regel gehalten haben. Überall sonst sind wir auf den Straßen gefahren weil die Radwege schlecht waren oder waren in der falschen Richtung unterwegs – es hat einfach niemanden gejuckt. Aber wenn sich in Deutschland jemand regelwidrig verhält oder einen klitzekleinen Vorteil bekommt, wird gemeckert. Ich glaube diese Bürgerpflicht steht auch im Grundgesetz. Wir wussten auf jeden Fall wieder wo wir waren…

In Peenemünde verließen wir Usedom und rollten auf dem Festland vorbei an dem ausrangierten Atomkraftwerk Lubin in Richtung Greifswald. Dort erwartete uns ein kleines Highlight: Matthias Reim spielte ein Konzert und bestimmte Personen aus meiner Familie, die jetzt sicherlich ungenannt bleiben möchten, hätten sich früher sicherlich gefreut. Wir für unseren Teil waren einfach froh vor dem Regen in der Pension angekommen zu sein…

Gesamtanstieg: 552 m

56. Tag: Greifswald nach Pruchten, 79km

Pünktlich zur Abfahrt begann es zu regnen und ab dem Ortsausgang komplettierten wir mit der Regenhose unser Wetter-Outfit. Der Weg führte Richtung Stralsund parallel zur B105 auf einer Kopfsteinpflasterstraße – für 30km! Wir hatten das Gefühl wir würden so gar nicht vorwärts kommen. Wenigstens hörte es nach einiger Zeit auf zu regnen und wir konnten in der Sonne Mittagspause machen. Da unser Bedürfnis nach Bundesstraße für diesen Tag gestillt war, ging es ab Stralsund auf kleineren Wegen nach Westen in die Nähe von Zingst, wo wir unser Zelt aufbauten

Gesamtanstieg: 495 m

 

Ein Kommentar

  1. Kommentar von Thelma und Louise

    Thelma und Louise Antworten 1. August 201722:01

    Jetzt musste ich in der Tat sowas von lachen… Erst Thomas Anders, dann Matthias Reim… genial 😀

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