16. Etappe EuroVelo10: Lauci via Jürmalaa nach Abragciems

9. Juni 2017

34. Tag: Lauci nach Jürmalaa – dies wird ein langer Tag, 94km

Da es nachts regnete, mussten wir morgens noch etwas warten bis das Zelt getrocknet ist. Dann ging es wieder auf die Via Baltica in Richtung Riga wobei der Straßenbelag ein zügiges Fortkommen bei mäßigem Verkehr sicherte. In Saulkrasti machten wir kurz halt, gönnten uns einen Kaffee und an der Touristeninformation eine kostenlose Fahrradkarte. Den Radwegen in der Region sollte man skeptisch begegnen: trotz entsprechender Schilder können aus dem Nichts auf einmal Treppenstufen nach unten führen oder der Weg findet ein jähes Ende an einer Bushaltestelle mit hohem Bordstein. Generell gibt es in Lettland wohl ein ungeschriebenes Gesetz wonach Radwege nur bis zur Bushaltestelle am Ortsausgang führen dürfen. Glücklicherweise gibt’s ja dann wieder die gewohnte Schnellstraße…

Kurz vor der Hauptstadt Riga freuten wir uns über den Anblick des Riesen-Stahlpenis Fernsehturms. Wie auf Knopfdruck wurde der Verkehr dichter was vor allem an den wenigen Brücken über die Düna liegt. Gerade wollten wir uns von der ersten vierspurigen Straße erholen als uns ein Einheimischer ansprach und sich für unsere Tour interessierte (yeah!). Später half er uns mit dem Weg und deutete an, dass der angepeilte Campingplatz noch 35km entfernt liegt. So eine Aussage wirkt wenig motivierend wenn man schon 60km gefahren ist.

Völlig entgegen meiner Erwartungen ging ein super ausgebauter Radweg einmal quer durch die Parks der Stadt und wir konnten entspannt bis zum Zentrum cruisen. Da wir uns Riga schon bei unserem letzten Trip angeschaut hatten, steuerten wir diesmal nur einen Supermarkt und ein Fahrradgeschäft an bevor es auf dem Radweg weiter gen Westen nach Jürmalaa ging. Dieser Weg war zwar gut aber zog sich bis wir endlich am Campingplatz ankamen.

Wobei – Campingplatz ist eigentlich eine Übertreibung: findige Geschäftsleute haben im Schatten einer Hotelruine das Gras wachsen lassen und vermieten dort Stellplätze für zahlende Touristen (=Deutsche und Niederländer). Die Sanitärcontainer vermittelten den Charme von Nasszellen auf Großbaustellen – vermutlich mit einem vergleichbaren Hygienestandard und einer ähnlich unzuverlässigen Warmwasserversorgung.
Als BWLer muss ich sagen: Chapeau! Das Marketing in Form einer guten Homepage hat bei mir gewirkt und den Rest des Abends redeten wir uns ein dass es viel schlimmer sein könnte (Gewitter, Unwetter, NOCH MEHR Mücken, Fahrraddiebstahl etc.).

Gesamtanstieg: 571 m

35. Tag: Jürmalaa nach Abragciems, 53km

Bis morgens regnete es und Nina schlief schlecht. Wir frühstücken im Zelt und sprachen wenig – was nach den Erlebnissen wohl für alle Beteiligten das Beste war. Beim Auschecken trafen wir auf deutsche Wohnmobilbesitzer, die nach kurzem Plausch die Zustände als gar nicht so schlimm erachteten. Das würde uns vielleicht auch so gehen, wenn wir eine Sagrotan-reine-Chemietoilette auf dem Anhänger hätten. Aber wenden wir uns wieder den positiven Dingen zu: Radfahren bei einsetzendem Sonnenschein.

Sobald wir den Platz hinter uns gelassen hatten, fuhren wir durch eine super noble Villengegend. Jürmalaa mit seinen 20km Sandstrand ist so eine Art Riviera des Baltikums und hier darf noch im Richie-Rich-Style geprotzt werden.

Der Fahrradweg begleitete uns noch lange Richtung Norden und auch später kamen wir auf der spärlich befahrenen Straße gut voran. Im kleinen Ort Abragciems fanden wir beim Campingplatz unsere Bleibe. Außer uns waren nur wenige Deutsche da. Das Restaurant hatte keine Speisekarte und fragte uns (auf Deutsch) was wir denn essen wollten – das würden sie dann zubereiten sofern wir Zeit hätten. Wir entschieden uns für lettischen Fisch und der schmeckte echt gut.

Gesamtanstieg: 182 m

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